Speedlog

Apnoebiken – Balsam für die Seele

Kaum ist der »bike & business«-Newsletter letzte Woche rausgegangen, landeten schon die ersten Leserreaktionen in meinem Postfach. Vor allem löste meine Speedlog-Frage „Was fühlt ihr, wenn ihr mit eurem Motorrad unterwegs seid?“ Reaktionen aus.

Jens Vater von Motorrad-Vater in Bondorf, das liegt zwischen Nagold und Rottenburg am Neckar, schrieb sich regelrecht die Motorradseele aus dem Leib:

„Wie geht es mir, wenn ich Motorrad fahre bzw. nicht fahre? Ist ganz einfach und kurz beschrieben: Fahre ich, gehts mir super. Geht's mir schlecht – bin ich wohl nicht gefahren! Mein Körper schreit regelrecht nach Motorradfahren, was aber angesichts meiner Selbstständigkeit als Motorradmechaniker, viel zu kurz kommt. Vier Tage Italien und 2000 Kilometer auf dem Bike sind mehr Erholung als drei Wochen Kho Samui am Strand!

Klar, eine Motorradfahrt ist körperliche und geistige Höchstleistung, aber alles andere wird ausgeblendet – außer, dass was zum Fahren wichtig ist. Man könnte es auch Apnoebiken nennen. Für mich ist der Flow beim Biken eine Entspannung, die ihresgleichen sucht!

Schon das Zelebrieren, wenn es um das Vorbereiten und Startklarmachens meines Fahrzeugs, einer Suzuki  RG 500 Gamma, geht, ist ein erholsames Abenteuer. Der nur 154 Kilogramm leichte Supersportler wurde von 1984 bis 1989 produziert, ist also heute ein echter Oldtimer-Klassiker. Was also ist zu tun, damit die Mühle anspringt und rund läuft? 
1. Anspannung ob die Diva überhaupt will.
2. Ausparken und das Zusammenstecken der Kraftstoffleitungen.
3. Kraftstoffhahn öffnen Choke ziehen und den Kickstarter ausklappen.
4. Lederkombi anziehen und Luft prüfen.
5. Dann schauen, ob irgendwo irgendetwas undicht ist.
6. Den Kickstarter betätigen und schauen, dass der Motor auch durchdreht.
7. Sich sammeln, rechte Raste hoch klappen, damit man beim schwungvollen Ankicken nicht mit der Wade hängen bleibt.
8. Die Gänsehaut wegen der Vorfreude genießen, was da gleich mit einem passiert oder eben auch nicht.
9. Sich aufrichten und den Kickstarterpunkt finden.
10. Uuuund daaaaannnnn: Kicken kicken kicken kicken.
11. Hoffen dass es nach dem fünften „Grrrr“ des quadratischen Vierers „räääng räääng räääng“ macht.
12. Wenn nichts rängdängdäng macht fängt man wieder bei Punkt 1 nur mit dem Zusatz dass man die Verkleidung weg macht und in die Vergaser schaut.
13. Ist alles gut und die Gamma macht was sie soll: weiter anziehen, Helm auf, Handschuhe an.
14. Choke einrichten bis die Maschine das Gas annimmt.
15. Zurechtsetzen und mit einem Griff in den Schritt alles zurecht fummeln.
16. Kupplung ziehen und Gang einlegen.
17. Durchatmen, weil bis jetzt alles gutgegangen ist und die zitternden Hände in den Griff bekommen.
18. Langsam auskuppeln und Gas anbieten, um anzufahren.
19. Darauf achten, dass man nicht schon vor dem Ortsschild die Nerven verliert und sich Zeit lässt, den Motor warm zu fahren...
19. Passt alles: dann den Sound, die Beschleunigung, die Kraft, den Ton, das ganze RG-Prozedere genießen und sich tragen lassen.
20. Nach der Tour die Gamma abstellen, sie loben, dass sie durchgehalten hat, sich bei höheren Kräfte bedanken, dass man so etwas erleben durfte, den Kraftstoffhahn schließen und die Kraftstoffleitungen trennen.
21. Diese schöne technische Meisterleistung, die Suzuki da hingestellt hat, bei einem Bier von allen Seiten bewundern und den Nachhall der Tour genießen.
22. Sich auf nie nächste Tour mit diesem einmaligen Gefährt freuen.

Dies alles nenne ich ganz kurz in einem Satz verpackt: „Schatz, bin heute gamman, bis heute Abend!“

Vielen Dank, lieber Jens, für diese eindrucksvolle Beschreibung mit deinem Lieblingsbike. Viele Biker der heutigen Keyless-go-Generation mit ihrem eingeschränktem Schrauber- und Technikwisssen, mich inklusive, hat dein Umgang mit dem Bike und deine innige Beziehung zu ihm, mächtig beeindruckt. 

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bike & business 5/2021

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