Speedlog

Das Modell Motorrad-Abo – modern, aber schwer zu finanzieren?

Mein Gedankenexperiment zu einem möglichen Businessmodell „Motorrad-Abo“ im Speedlog vom 19. April hat zu vielen interessanten Reaktionen aus der Leserschaft geführt.

Zum Beispiel schrieb mir Klaus Limbächer von Limbächer & Limbächer in Filderstadt: 

„Vom Gedanken her finde ich es eine interessante Sache – inspiriert hat mich in diesem Zusammenhang das Konzept von Audi Select. Hier konnte man verschiedene Autos und auch Motorräder mieten: Im Winter einen Q5,  im Sommer TT Cabrio und noch ein Motorrad dazu. Leider wurde das Angebot von Audi inzwischen wieder eingestellt. Das Hauptproblem beim Motorrad-Abo ist die saisonale Komponente. Es fallen Grundkosten wie Wertverlust und eine Verzinsung für zwölf Monate an, die Kosten müssen aber innerhalb von nur sechs Monaten wieder herein gewirtschaftet werden. Das ist die gleiche Herausforderung wie bei Mietmotorrädern – wenn die Fahrzeuge im Herbst zurückkommen, stehen sie doch meist bis Frühjahr bis sie verkauft werden. Weiterhin zu bedenken sind hohe Kosten für Unterhalt und Versicherung.
Bei einem Supersportler kann da schon einmal ein Satz Reifen nach 1500 Kilometern fällig werden, weil er für die nächste Vermietung nicht mehr gut genug ist.Wir bei Limbächer & Limbächer haben bereits seit mehreren Jahren ein Abo-Modell. Interessant finde ich hier den Ansatz, dass der Kunde innerhalb der Kategorie mehrfach das Modell wechseln kann. Wer kann es sich schon leisten, mehrere aktuelle Modelle im Jahr zu fahren? Im Frühjahr eine X-Diavel, im Sommer für den Urlaub eine Multistrada V4 und im Herbst noch eine Panigale. Hier kann man einen Blick auf unsere Homepage werfen: https://www.limbaecher.de/48-ps-langzeitmiete.html. Erste Erfolge haben wir mit unserer Langzeitmiete erzielt, aber das Modell ist noch ausbaufähig.“ 


Jacqueline Sassnick von Italmoto in Garbsen bei Hannover, schickte mir folgende strategische Überlegungen zum Thema:

„Ein mögliches Motorrad-Abo-Modell hatte ich vor drei Jahren schon mal durchgerechnet. Ich hatte die Idee, Kunden, die jedes Jahr das aktuellste Motorrad in der Saison fahren möchten, eine attraktive Monatsrate anzubieten. Nach der Saison hätten die Kunden das Fahrzeug zurückgeben können. Mein Hintergedanke dabei: Ich hätte dann attraktive Gebrauchtfahrzeuge zur Verfügung oder die die Kunden würden ihr Abo-Fahrzeug selber zu einem guten Preis kaufen.
Verworfen haben wir das Projekt schlussendlich wegen der zu hohen Kosten und der damit verhältnismäßig zu hohen Rate für den Kunden. Was waren die Knackpunkte?
• Der zusätzliche Fahrzeugpark, der „mindestens“ zu Vorführkonditionen von den Herstellern genehmigt werden müsste (da man die Vorführfahrzeuge dazu nicht verwenden kann)
• Zu hohe Versicherungskosten für den Händler, selbst bei Vollkasko (auch wenn die Selbstbeteiligung bei 2000 Euro liegen würde, was rechtlich aber nicht zulässig ist)
• Allgemeine anfängliche Kostenstruktur für Vertragskonzipierung, Erstellung eines Onlineportals, Personalaufwand, etc. zu hoch. Zumindest wenn man das Konzept als einzelner Händler verwirklichen möchte, da es sich hier nicht um Leasing oder Finanzierung handelt.
Die monatliche Rate für ein Fahrzeug in der Preisklasse von 12.000 bis 15.000 Euro hätte die 950-Euro-Marke überstiegen, da wir als Händler ja auch noch etwas Gewinn mit einkalkulieren müssen. Und in dieser Rechnung wäre die Zeit, welche man benötigt, das Fahrzeug wieder zurückzunehmen (Schadens- bzw. Gebrauchtspurendiskussionen mit den Kunden) noch gar nicht eingepreist.
Ich würde sagen, dass für einen einzelnen Händler ein Abo, welches ja ein risikoloses All-inklusive-Mobilitätsangebot zum monatlichen Festpreis sein soll, nicht interessant ist. Wenn es dagegen ein eigenständiges deutschlandweites Portal mit einer Vermietungs-Lizenz und eigener Kfz-Versicherung gäbe, das auf Fahrzeuge der Händler zurückgreift, könnte größer gedacht werden und auch anders kalkuliert werden.Dazu müßten die teilnehmenden Händler von den Herstellern zusätzliche Fahrzeuge mit Demorabatt erhalten, welche sie für Abos anbieten können. Und die gesamte Schadens- bzw. Gebrauchtspurenabwicklung bei Fahrzeugrückgabe müsste für den Händler klar und deutlich geregelt sein. Ob das nun wirklich ein gewinnbringendes Konzept werden kann, müsste detailliert durchgerechnet werden. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass in Zukunft junge Menschen ein Motorrad-Abo nutzen würden, da in den jungen Köpfen eher gilt:
• Spaß haben, schnell und ohne Verpflichtung
• Spaß haben auch mit etwas, dass ich mir ansonsten (zum Kauf) nicht leisten könnte
• Finanzierung/Leasing ist konservativ und mit Langzeitverpflichtungen verbunden – Motorrad-Abo ist modern, unkompliziert und ohne langfristige Bindung.
Und bei der älteren finanzkräftigeren Generation, bei denen Motorradfahren und Motorradbesitzen noch emotionaler behaftet ist, könnte ich mir das Motorrad-Abo im hochpreisigen Fahrzeugsegment durchaus vorstellen. Also wirklich exklusive Bikes wie eine Ducati Superleggera, Triumph Rocket TFC oder MV Agusta im Motorrad-Abo - das könnte funktionieren, da diese Fahrzeuge auch nicht viel gefahren werden.
Wie auch immer. Das Konzept steht und fällt mit der Frage: Kann man damit Gewinn machen? Das wird nur funktionieren, wenn der Kunde bereit ist, für das Abo und die für ihn damit verbundenen „Freiheiten“ eine recht hohe Rate zu zahlen.“ 


Kommen wir zu Achim Trinkner, Trinkner Autohaus und Zweiradfachgeschäft in Löchgau. Er meint:

„Bei einem Roller in der City oder im Nahverkehr könnte ich mir das schon vorstellen. Hier ist der Weg von A nach B das Ziel. Bei einem Motorrad ist die Mehrzahl der Kunden stolz und verliebt in sein Motorrad. Ja, es ist sein Hobby und nicht nur ein Gebrauchsgegenstand. Da die Verletzungsgefahr größer ist als beim Auto, fährt der Kunde auch am liebsten mit seiner Maschine, die er für sich mit Zubehör maßgeschneidert hat. Gerne wird das Motorrad auch optisch nach seinen Wünschen umgebaut um das Besondere zu haben. Für den Kundenkreis, der das Motorrad nur als Fortbewegungsmittel von A nach B sieht, könnte ich mir ein Abomodell vorstellen. Wenn die Innenstädte noch voller werden und mehr Pendler auf das Motorrad umsteigen würde das System zumindest bei dieser Gruppe greifen.“


Der vierte Händler im Bunde, der zum Motorrad-Abo ein paar fundamentale Dinge zu sagen hat, ist Axel Roewer vom Motorradcenter Roewer in Berlin:

„Es fällt mir schwer, mich an einer solchen Diskussion zu beteiligen. Seit drei, vier Jahren versuchen wir unseren Kunden Motorrad-Leasing schmackhaft zu machen. Ist ja so ungefähr wie ein Abo. Derzeit beträgt die Mindestlaufzeit 24 Monate mit der Möglichkeit, nach 18 Monaten abzulösen. Die Abwicklung ist aber sehr aufwändig und für Motorradverkäufer ungewohnt. Der Plan, so bei Rücknahme an günstige Gebrauchte zu kommen, geht leider nicht auf. Die Kunden übernehmen die Motorräder und diskutieren noch über die Ablösekosten und wollen keine zusätzlichen Aufwendungen (im Pkw-Bereich völlig normal) tragen. Hier steckt sicher die gelebte Alltagspraxis dahinter, dass man Fahrzeuge günstig über die Firma least und sie anschließend zum Restwert privat übernimmt!
Sicher kommen wir in naher Zukunft um neue Mobilitätskonzepte nicht herum. Aber im Moment (und gerade jetzt) überwiegt noch das Konzept „haben und besitzen wollen“. Ich denke, dass wir diesen Umstand solange wie möglich ausnutzen sollten. Aber wir sind für die „geniale Idee“ offen. Uns ist die aber noch nicht eingefallen!“


Was halten Sie von den Überlegungen der vier Händler? Haben Sie eine gute Idee auf Lager? Falls Sie noch einen Gedankenblitz haben, schreiben Sie mir gerne (Mail an maderner@syburger.de).
 

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