Der neue Mofa-TÜV – reine Abzocke?

Das EU-Parlament will die HU-Pflicht europaweit vereinheitlichen: Sie soll künftig nicht nur für Motorräder gelten, sondern auch für Mofas und Mopeds mit einem Hubraum von weniger als 125 Kubik.

Bislang herrscht im vereinten Europa ein ziemliches Kuddelmuddel in Sachen technischer Überwachung von motorisierten Zwei- und Dreirädern. Nach Aussagen des Bundesinnungsverbands Zweirad-Handwerk (BIV) werde bereits an einem Entwurf für eine einheitliche EU-Verordnung gearbeitet. „Zusätzlich wäre damit zu rechnen, dass irgendwann auch die Mofas in Deutschland zur Hauptuntersuchung müssten. Einen Zeithorizont oder Inhalte stehen aber derzeit in den Sternen“, so BIV-Referent Felix Lindhorst.

Was ist dran an der Botschaft vom neuen Mofa-TÜV, die jüngst von der Federation of European Motorcyclists' Association (kurz: Fema) verbreitet wurde?

Der Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr des Europäischen Parlamentes hatte die EU-Kommission am 25. Februar aufgefordert, in den Mitgliedsstaaten Motorräder generell in die Pflicht zur regelmäßigen technischen Überprüfung zu nehmen. Dies soll bis zum 1. Januar 2022 passieren. Periodische Technische Inspektion (kurz: PTI) heißt das im Bürokratendeutsch. 

Für Kleinkrafträder unter 125 Kubik, also Mofas und Mopeds, solle zunächst der Kosten-Nutzen-Faktor einer technischen Überwachung untersucht werden. Eine Lobbyallianz aus Versicherungen, Sicherheitsinstitutionen und den technischen Überwachungsorganisationen wie Dekra, TÜV und Co. setzt sich seit jeher vehement für eine Ausweitung der Kontrolle ein und stieß in Brüssel nun auf offene Ohren. Das Sicherheitsargument zieht immer, auch wenn dubiose Untersuchungsergebnisse über den technischen Zustand spanischer Mofas und Mopeds eine fragwürdige Faktenlage bilden.

Was bedeuten die Vorgänge in Brüssel nun für die einzelnen Nationen? Für Länder, die bereits eine PTI sowohl für Motorräder als auch für Mopeds haben, wird sich nichts ändern. Zu ihnen gehören Kroatien, Litauen, Spanien, Italien und Österreich.

Länder, in denen es noch keine Untersuchungspflicht für Mopeds und Leichtkrafträder unter 125 Kubik gibt – die Mehrheit der europäischen Länder, darunter auch Deutschland –, aber eine PTI für Motorräder mit einem Hubraum von mehr als 125 Kubik existiert, sollen verpflichtet werden, auch Mofas und Mopeds technisch zu überwachen. Finnland, Irland und die Niederlande lehnen eine PTI erst einmal kategorisch ab – für alle Zweiräder, unabhängig vom Hubraum.

Der europäische Amtsschimmel wiehert und mit ihnen die Lobbygruppen. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass man Motorräder von Amts wegen regelmäßig checkt. Aber jedes Bravo-Mofa, jede Simson und jede Kreidler Florett im Bestand überwachen zu wollen – das führt in meinen Augen zu weit und grenzt an Geldmacherei. Was meint ihr? Findet ihr den Mofa-TÜV gut? Schreibt mir eure Meinung an maderner@syburger.de.

Die gute Nachricht: Die neue Richtlinie muss erst noch im Europäischen Parlament und im Rat diskutiert werden. Dies wird erfahrungsgemäß viel Zeit in Anspruch nehmen. Europas Mühlen mahlen eben langsam. Daher werden konkrete und gesetzlich verpflichtende Änderungen wohl noch lange auf sich warten lassen.

Aktuelle Ausgabe

bike & business 4/2021

Facebook

Wenn Du hier klickst, wirst Du zu Facebook weitergeleitet. Dabei werden Daten an Facebook übermittelt.

bike&business-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im bike&business-Newsletter.

Jetzt registrieren