Die Schrauberkönige vom Bodensee

Familiär geht es zu bei Motorradtechnik Latscha in Konstanz: Inhaber Louis Latscha (Bildmitte) hat eine schlagkräftige Schraubertruppe um sich gruppiert. Foto: Stephan Maderner

Motorradtechnik Latscha

Die Schrauberkönige vom Bodensee

Die Freie Werkstatt von Louis Latscha in Konstanz hat sich nicht nur unter Fans von Italo-Bikes weit über die Region hinaus einen Namen gemacht, sondern die Kunden finden die Qualität der Werkstattarbeit einfach herausragend.

Ein Oldtimer-Schmankerl der ganz besonderen Art wartet auf neugierige Kundenblicke bei Motorradtechnik Latscha in Konstanz: Eine von Motorradtechnik Latscha liebevoll restaurierte Moto Guzzi 850 Le Mans, die dem legendären achtfachen Motorradweltmeister Phil Read gehörte; ausgestattet mit Originalkennzeichen, handsigniert von der Renn-Ikone höchstselbst. 

Dieses Bike steht sinnbildlich für die Kernkompetenz der kompetenten Schraubertruppe vom Bodensee: der Wartung, Restaurierung und Veredelung/ Customizing von Italobikes, insbesonders der Kultmarke Moto Guzzi. „Mit zehn habe ich unter Anleitung meines Vaters bereits bei einer Guzzi Ventile eingestellt“, erinnert sich Louis Latscha. Viele Jahre stand er an der Seite seines Vaters Alfred, der in den achtziger Jahren begonnen hatte, in einer Doppelgarage nebenberuflich an Zweirädern zu schrauben und sich 1992 selbstständig machte. 

Louis Latscha absolvierte zunächst eine Schlosserlehre und lernte daraufhin Kunstschmied, weshalb ihm in Sachen Metallbearbeitung deshalb keiner so schnell was vormacht. Danach hängte er eine Lehre zum Groß- und Einzelhandelskaufmann dran, wonach es ihn schlussendlich dann aber noch wieder zurück zu den technischen Wurzeln zog, die er von Kindesbeinen an in sich wachsen spürte. Darauf absolvierte er schließlich doch noch eine Lehre zum Zweiradmechaniker, worauf dann der Meistertitel an der Gewerbeschule Breisach, im Jahr 2009, als krönender Abschluss folgte.

Repariert und gewartet werden in der Byk-Gulden-Straße 24a in Konstanz, aber nicht nur Bikes italienischer Provenienz, sondern Zweiräder aller Couleur, gleich ob Rennmaschine, Reise-Enduro oder Custombike, „außer den Chinesen“, wie der Chef anmerkt. Das zeigt schon ein Blick auf die Hebebühnen, die einen bunten Fahrzeugmix anzeigen. 

Das Team von Motoradtechnik Latscha hat sich bei Kunden aller Marken im süddeutschen Raum nach oben geschraubt – mit viel Kompetenz und einem fairen Preis-/Leistungsverhältnis gewinnt man deren Vertrauen. Selbst Neufahrzeugkunden von Guzzi, BMW oder Ducati rennen mit ihren frisch gekauften Maschinen zum Service statt zum in der Regel favorisierten Vertragshändler lieber in die Freie Werkstatt. „Wir zeigen Kunden die Altteile, die getauscht wurden – und bauen so Vertrauen auf. Es ist gut, wenn die Leute mit dem Mechaniker sprechen wollen“, so Latscha. Der persönliche Kontakt zum Kunden und stete Dialogbereitschaft sind dem Chef wichtig. 

Etwa ein Viertel der rund 4.000 Stammkunden kommen aus der nahen Schweiz herüber. Elf Mitarbeiter stehen gegenwärtig auf der Payroll von Louis Latscha, dem der Betrieb seit 2014 alleine gehört. Zwei Rentner sind für den Hol- und Bringservice am Start, während die Buchhaltung von Ehefrau Sabrina alleine geschmissen wird. Gut 50 Bikes überwintern inklusive Batterieservice regelmäßig für je 30 Euro im Monat bei Latscha. 

Nebenbei vermarktet Latscha mittlerweile auch Gebrauchtmaschinen. Vor allem Kundenfahrzeuge, die bei Latscha gewartet wurden, nehme er zu attraktiven Konditionen in Zahlung und vermarkte sie dann erfolgreich weiter. „Geld verdienen wir aber hauptsächlich mit unserem Kundendienst sowie mit aufwändigen Spezialanfertigungen und Umbauten“, so der Unternehmer. 

Die Werkstatt ist mit modernstem Diagnose-Equipment von Hella Gutmann oder Texa ausgestattet wobei aber auch die Drehbank und das Schweißgerät zum Werkzeug gehören. Es wird hier Wert auf bodenständiges Schrauben gelegt, repariert wird analog und digital. 

Bei allem geschäftlichen Erfolg, der sich zuletzt auch dank des Corona-Booms eingestellt hat, ist für Louis Latscha die Work-Life-Balance wichtig. „Ich wollte weg von der 90-Stunden- Woche“, so Latscha. Deshalb bleibt der Laden – von Notfällen und fix vereinbarten Terminen abgesehen – samstags prinzipiell zu und die Familie steht im Fokus. Am Wochenende tankt er zusammen mit seiner Frau Sabrina und Tochter Chayenne, die gegenwärtig die achte Klasse des Gymnasiums besucht, und dem Hund „Klack“ seine Akkus auf. Oder er dreht eine Runde mit einem seiner zehn Oldtimerschätzchen, die er sein Eigen nennt. Am nächsten Werktag steht er dann wieder unter Strom und brennt für seinen Dienst am Bike-Kunden. 

Eingespieltes Team: Sabrina und Louis Latscha, Foto: Stephan Maderner
4 Bilder
Latschas Mann für Europa: Julian Dietz holte beim Europacup 2022 in Holland die Bronzemedaille für Deutschland, Foto: Stephan Maderner
Oldtimerschätzchen: Italian Style, wohin das Kundenauge blickt. Das Werkstatt-Know-how macht‘s möglich, Foto: Stephan Maderner
Zweiradmechanikermeister Louis Latscha zählt neben dem Schrauben die Mitarbeitermotivation zu seinen Stärken, Foto: Stephan Maderner

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bike & business 3/2024

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