Ein Hoch auf das Ehrenamt

In der Vinothek zu Braunsbedra (Sachsen-Anhalt) durfte ich auf der zehnjährigen Jubiläums-Mitgliederversammlung der Mitteldeutschen Zweiradmechaniker-Innung eine Laudatio halten auf einen Grandseigneur des deutschen Ehrenamts: Uwe Bönicke, seines Zeichens Gründer und Obermeister der Innung.

In diesem Speedlog möchte ich seine Arbeit würdigen und gerne einige Auszüge meiner Rede branchenöffentlich machen:

„Wir würdigen heute einen besonderen Menschen, der dieses Jubiläum möglich gemacht hat. Einen, der zeitlebens dem Zweiradhandwerk seinen persönlichen Stempel aufgedrückt hat: Uwe Bönicke. Ohne ihn wären wir heute nicht hier, ohne ihn gäbe es die vorherrschenden Innungsstrukturen in Mitteldeutschland nicht.

Die gute Nachricht vorweg: Uwe Bönicke wird heute nicht in den Ruhestand verabschiedet. Er tritt nicht zurück, sondern nur zur Seite. Als Stellvertretender Obermeister will er weiter aktiv sein und den Vorstand und seinen Nachfolger auch künftig tatkräftig unterstützen. Damit stellt er rechtzeitig die Weichen für die Zukunft. Was noch wichtiger ist: Er überlässt den jüngeren Nachfolgern ein bestelltes Feld…

Geboren wurde Uwe Bönicke am 4. Mai 1959. Im Leben des Meisters im Handwerk wies alles auf eine Karriere auf dem Wasser hin. Die Seefahrt prägte sein junges Leben: Er selbst war jahrelang auf den Weltmeeren und später im Fährverkehr unterwegs. Quasi nebenbei sammelte er erste Zweiradbranchen-Erfahrungen in einer Mopedwerkstatt in Frankleben. Dieses Metier hat ihn brennend interessiert, so dass er 1986 ein eigenes Geschäft eröffnete, eine Simson-Werkstatt und somit nahm Uwes Zweiradkarriere ihren Lauf.

Uwe Bönicke kümmert sich seit Dekaden um das Wohlergehen des Zweiradmechaniker-Handwerks, insbesondere die Aus- und Weiterbildung bis hin zur Gestaltung des Berufsbildes liegen ihm dabei sehr am Herzen. Gegenwärtig sieht Uwe die berufliche Ausbildung vor großen Herausforderungen: Stichwort Qualität der Ausbildung, denn er sieht dringenden Handlungsbedarf in der überbetrieblichen Lehrausbildung. Zudem sieht er die Koordination und Zusammenarbeit mit Handwerkskammern generell als verbesserungswürdig an. Aus diesem Grund kooperiert seine Innung u.a. mit der südthüringischen Ausbildungseinrichtung in Rohr-Kloster (HWK Südthüringen Suhl). Unterstützt wird sie personell mit Dozenten und Lehrkräften aus den eigenen Vorstandsreihen. Im Fahrradbereich entsendet er Innungsmitglieder, die Qualifizierungslehrgänge anbieten.

Kommen wir zum Kapitel Uwe Bönicke und der Bundesinnungsverband Zweirad-Handwerk. Mit der Bundesvereinigung seiner Zunft, in der er viele Jahre den Posten des Stellvertretenden Bundesinnungsmeisters bekleidete, war er neben Frank Döring, dem ehemaligen Bundesinnungsmeister, die Stimme des Ostens. Die Zusammenarbeit war stets geprägt von konstruktiver Kritik, die Uwe Bönicke beherrscht wie kaum ein anderer. Uwe versteht es aber auch, den Finger in die Wunde zu legen, denn sein Credo: Nur ein offenes Wort sorgt für Veränderungen und Wandel.

Uwe bekleidet eine Vielzahl an Ehrenämtern, nur eine kleine Auswahl: Er ist 

  • öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger
  • Stellvertretender Bundesinnungsmeister a.D.
  • Landesinnungsmeister der Mitteldeutschen Zweiradmechaniker-Innung
  • Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer Halle
  • Dozent für das Zweiradhandwerk in der Berufsausbildung, Meisterausbildung, Berufsorientierung sowie Berufsorientierung für Flüchtlinge
  • Mitglied/Vorsitzender verschiedener Prüfungsausschüsse und
  • Juror beim Europacup der Zweiradberufe/Bike Experts Europe

Uwe Bönicke ist eine absolute Ausnahmeerscheinung – nicht nur in unserem Handwerk, sagt Martin Behrens, Innungsvorstand und Uwes eloquenter Nachfolger als Landesinnungsmeister: „Seine Ausdauer, Expertise und Willenskraft sind für mich und sicher auch für viele andere ein Lichtblick und Inspiration…

Was Uwe wichtig ist:

  • Seit 1991 bildet der Handwerksmeister selbst aus. 27 Zweiradmechaniker, Mechatroniker und Bürokauffrauen erlernten bei ihm die Grundlagen ihrer Arbeit, wovon es gleich zwei seiner Eleven aufs Siegertreppchen beim Bundesleistungswettbewerb schafften.
  • Seine Ausbildung und aktive Zeit zur See. War das der Ursprung seiner Weltoffenheit gegenüber anderen Menschen und Kulturen?
  • Die von ihm erfahrenen DDR- typischen Hürden bei der Betriebsgründung seiner Firma in Roßbach machen ihn immun gegen den heutzutage in der BRD grassierenden Verwaltungswahnsinn. 
  • Fachliches Wissen, deshalb ist er bis heute stolz auf seine fundierte Meisterausbildung.
  • In der Nachwendezeit machte er wichtige Erfahrungen, als er den Händlervertrag für Suzuki unterschrieb und lernte, mit dem Business Fahrzeugimporte umzugehen.
  • Uwe besitzt eine ausgeprägte Fähigkeit zum Networking. Es gefällt ihm, Menschen zusammenzubringen.
  • Er ist außergewöhnlich offen für Neues.
  • Zuletzt hat er seinen Business-Schwerpunkt vom Krad zum Fahrrad verlegt, ohne diese Wurzeln zu vergessen.

Uwe legt Reformeifer an den Tag. Er stellt die richtigen Fragen und formuliert die richtigen Ziele: In einem Alter, wo andere längst im Ruhestand sind. Chapeau! Uwe, du machst den Weg frei für eine jüngere Verbandsgeneration. Dem verjüngten Vorstand mit Thomas Siegel, Henry Möbert und Martin Behrens rufe ich zu: Das Feld ist bestellt.

Uwe, mach‘ es gut, bleib gesund, genieße das Leben. Bleib mir und der Zweiradszene – Fahrrad und Motorrad, Hauptsache Zweirad – treu. Worte sind das eine, Taten das andere. Sie waren dein Ding. Mit einem fantastischen Pragmatismus arbeitest du an deinem Lebenswerk. Es ist noch nicht vollendet. In Deutschland und Europa hast du tiefe Spuren im Branchensand hinterlassen, ohne Sand ins Getriebe zu streuen. Du bist und bleibst eine Galionsfigur, sorgst für das richtige Drehmoment und hältst den Motor der Zweiradmechaniker-Gilde am Laufen. Jetzt fehlt nur noch das Bundesverdienstkreuz! Am Ende verneigen wir uns alle vor dir voller Hochachtung für deine Lebensleistung.

Berühmte letzte Worte? Mir fallen genau noch vier ein - und ein dickes Ausrufezeichen: Danke Uwe, Uns Uwe!“

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