Emotionen aus der Motorrad-Steinzeit?

Immer wieder freue ich mich über eingehende Leserbriefe, denn sie regen den Branchenaustausch an und sorgen für interessanten und mitunter auch unterhaltsamen Lesestoff. Einer meiner emsigsten Schreiber ist Jens Vater von Motorrad Vater aus Bondorf.

Der Sohn des jüngst verstorbenen „Banditpapstes“ Rainer Vater ließ seinen fundierten Gedanken mal wieder kreativen Lauf. Hier seine Anmerkungen im O-Ton:

„Mit Freuden habe ich jüngst gelesen, dass endlich mal ein Hersteller eine kleine 400ccm-Supersportmaschine nach Deutschland auf den Markt bringt (Anm. d. Red.: Kawasaki ZX-4 R). Mich würde Eure Meinung zu meinem Standpunkt interessieren. 
Zuerst möchte ich mich als Fan der kleinen Drehorgeln und Bienenschwarmdrehzahlmonster outen! Ich selbst besitze eine recht flotte Bandit 400 von 1992.
Dass es endlich in diesem Bereich, nach CBR400, GSXR400, VFR400, bei uns nur sehr selten, was zu hören und bald auch zu fahren gibt, ist klasse. Nur frage ich mich, die 600ccm- und hochdrehenden 1000er-Supersportler schafft man ab, weil man wohl die Abgaswerte nicht schafft und dann präsentiert man eine 400ccm-Rakete mit 80PS und 15.000 Umdrehungen? Das erschließt sich mir nicht. Dazu frage ich mich auch, warum so eine kleine Drehorgel mit nicht einmal 60 Nm eine Traktionskontrolle braucht? Da fühlt sich ja der Reifen, von dem was am HHR ankommt, eh‘ schon verarscht! 
Alles in allem finde ich es mega, dass es dieses Gerät geben wird, andererseits weiß ich jetzt schon, dass dieses ganze ABS- und ASR-Gedöns, die Sparpolitik am Rahmenmaterial, das Gewicht des schwachbrüstigen Vierzylinders, im unteren und mittleren Drehzahlbereich, zusätzlich noch erhöht und somit das Bike kaum einen Vorteil zu den alten 400er-Modellen hat. Denn die 15PS mehr werden durch das zusätzliche Gewicht schnell aufgefressen.
Meine Bandit 400 hatte vergangenes Jahr in Anneau du Rhin 163 kg und 58 PS gedrückt. Ich hatte selten so viel Spaß auf der Renne als mit so einem alten Koffer! Daher denke ich, dass ein Motorrad, dass mehr als 160 kg wiegt, kein Mensch braucht. Dadurch würde der Biker wieder elementare Fahrdynamiken lernen, die er mit einem kleinen quirligen Reihen-Vierer dringend benötigt. Da gibt man nicht mal kurz Gas und schwupps ist man vorbei am Opa mit S-Cabrio. Wenn man nicht aufpasst und bergauf den falschen Gang aus der Ecke hat, geht es fast rückwärts.
Ich hoffe, euch ein wenig zu belustigen Aber dennoch war und ist meine Frage ernst gemeint: Bin ich da komplett auf dem Holzweg und bin einfach nur ein Saurier, wie mein Vater es war, oder ist da schon noch was dran? Was meint Ihr?! Bin ich eine aussterbende Biker-Rasse mit Emotionen aus der Motorradsteinzeit?“

Nun freuen wir uns über eure Reaktionen, was haltet ihr von Jens Vaters Thesen? Seht ihr ihn auch als einen Vertreter einer aussterbenden Biker-Rasse aus der Motorradsteinzeit an? Wie immer gerne eure Meinung per Mail an maderner@syburger.de.

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