Gemischte Ansichten zum neuen Preismodell bei Mobile.de

Bildunterschrift: Die mobile.de-Headquarters im Europarc Dreilinden bei Berlin, Foto: mobile.de

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Gemischte Ansichten zum neuen Preismodell bei Mobile.de

Die letzte Preiserhöhung ist gerade einmal neun Monate her – und trotzdem hat mobile.de, Deutschlands größter Online-Marktplatz für Autos und Motorräder, die Inseratspreise zum 1. April 2022 noch einmal deutlich angepasst und ein komplexeres Preissystem eingeführt, das vor allen Aufschläge für höherwertige Fahrzeugbestände vorsieht.

Die Gebühren für monatliche Inserate für Händler setzen sich seither aus einem Sockelbetrag und zusätzlich einem Aufschlag zusammen, dessen Höhe vom monatlichen Durchschnittspreis des annoncierten Fahrzeugbestands abhängt. Dadurch soll das neue Preismodell „individueller und fairer“ werden, wie das Unternehmen mit Sitz in Kleinmachnow bei Berlin mitteilt. Es trage dem sich immer schneller verändernden Fahrzeugmarkt Rechnung, der für den Handel ständig neue Herausforderungen mit sich bringe. „Wir wollen diesen Aufgaben mit innovativen Konzepten begegnen, damit Sie und ihre Kollegen weiter profitieren. Um auch in Zukunft für Sie investieren zu können, haben wir unser Preismodell überarbeitet und der aktuellen Marktsituation angepasst“, teilt mobile.de seinen Händlern mit. Zur Verfügung stehen den Händlern drei verschiedene Pakte: Kompakt, Komfort und Premium.
Ein kleiner Händler, der monatlich zwischen 11 und 15 Fahrzeuge inseriert, zahlt je nach Paket zwischen 389,99 und 649,99 Euro im Monat. Wer zwischen 51 und 70 Inserate monatlich schaltet, muss zwischen 829,99 (Kompakt) und 1234,99 Euro (Premium) investieren. Für jedes weitere Fahrzeug werden dann zwischen 10,49 und 15,19 Euro fällig. Hinzu kommen dann die neuen prozentualen Aufschläge auf den erzielten Durchschnittspreis, die vor allem für höherwertige Fahrzeuge zu Buche schlagen. Bei einem Durchschnittspreis der Inserate zwischen 20.000 und 29.999 Euro beträgt der prozentuale Aufschlag zum Beispiel 5 Prozent. Wobei an dieser Stelle hauptsächlich Autohändler im Luxussegment betroffen sein dürften. Ab 50.000 Euro Durchschnittspreis, utopisch für die meisten Motorraddealer, wird ein Aufschlag von 15 Prozent fällig. Aktuell befinden sich über 76.000 Motorräder auf der Plattform.

Viele Motorradhändler haben bereits auf das neue Preismodell von mobile.de reagiert und ihre Online-Fahrzeugvermarktungsstrategie geändert. „bike & business“ hat sich bei einigen umgehört.

Etwa bei Christoph Lessing, Geschäftsführer GST Berlin: „Wir hatten bis März pro Standort ca. 170 Fahrzeuge inseriert, schrauben jetzt aktuell unsere Inserate runter und inserieren nicht mehr jedes Modell. Gerade Fahrzeuge, die nahezu identisch sind, bloß mit unterschiedlicher Ausstattung oder Farbe, wurden in ein einziges Inserat minimiert. Dadurch konnten wir jetzt pro Standort auf 120 Fahrzeuge reduzieren. So kompensieren wir die Mehrkosten.“

Der KTM-Händler mit zwei Standorten in Berlin ist über diese Situation zwar nicht glücklich. Doch komplett ignorieren könne man die Börse leider nicht, so der Unternehmer, der auch Husqvarna und GasGas vermarktet. Auch wenn er dies unter den gegebenen Umständen durchaus als richtigen Schritt sehen würde. Doch dafür müsste die Branche geschlossen und mit einer großen Zahl von gleichgesinnten Händlern dagegen vorgehen.

Auch Klaus Limbächer von Limbächer in Filderstadt hat eine Aktion gegen zu hohe Inseratsgebühren bei mobile.de eingeleitet. Deutschlands größter Motorradhändler, der auf seinem 20.000 Quadratmeter großen Firmengelände im Schnitt 2000 neue und gebrauchte Motorräder präsentiert, stellt ab sofort alle seine Gebrauchten zunächst für vier Wochen ausschließlich nur auf seine Homepage, um sie dort zu vermarkten. Mit diesem einmonatigen mobile.de-Verzicht möchte der Mehrmarkenhändler (Ducati, Kawasaki, Honda, Yamaha, Moto Guzzi, Husqvarna) auf das aus seiner Sicht untragbar gewordene Businessmodell des Online-Platzhirschen hinweisen.

Klaus Limbächer gegenüber „bike & business“: „Ich meine, früher gab es für Motorräder andere Preise, da wir doch mit anderen Margen kämpfen als die Kollegen Autohändler, hinzu kommt das Saisongeschäft. Die aktuellen Preise von mobile.de empfinde ich zu hoch, daher werden wir entsprechend reagieren, indem wir unser Neufahrzeugangebot reduzieren, Gebrauchte für die ersten 30 Tage exklusiv auf unserer eigenen Homepage präsentieren und sicherlich das Angebot in der Nebensaison weiter reduzieren.“

Auch viele andere Motorradhändler und freie Werkstätten, die sich nebenbei im Geschäft mit neuen und gebrauchten Bikes noch den einen oder anderen Euro dazuverdienen wollen, kritisieren das neue Preismodell des Online-Marktplatzes. Ihr Argument: Gerade für mittelständische Bikehändler lohne es sich wegen der hohen Kosten immer weniger.

Mit der Bitte um eine Stellungnahme von mobile.de haben wir mit Matthias Schmidt, Vertriebsleiter für kleine und mittelständische Unternehmen und strategische Partner, gesprochen. Matthias Schmidt rechtfertigt den Schritt von mobile.de: „Wir sehen uns nach wie vor als Partner des Handels und damit möchte ich ausdrücklich den Motorradhandel einbeziehen. Über alle Fahrzeugsegmente liefern wir die größte Nachfrage und erzeugen so für den Handel das meiste Geschäft. Das ist aber kein Selbstläufer. Der Markt und die Erwartungen der Konsumenten ändern sich rasant. Wir investieren stark in neue digitale Konzepte und Lösungen, um dem Handel auch in Zukunft sehr viele Kunden auf den Hof zu senden. Mit der Einführung der Fahrzeugpreisklassen wollen wir dem unterschiedlichen Margengefüge – nicht nur zwischen verschiedenen Kfz-Klassen, sondern auch dem Vergleich zwischen Motorrädern und anderen Fahrzeugen – Rechnung tragen. Und unser Preismodell so fairer gestalten. “

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bike & business 3/2022

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