Motorrad-Influencer außer Rand und Band?

Am vergangenen Wochenende erregte der Artikel „Klicks um jeden Preis“ in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"die Branchengemüter. Die Szene der Motorrad-Influencer sei außer Rand und Band.

Mit asozialem Verhalten werde auf Youtube viel Geld verdient. Und die Industrie beteilige sich an diesem Irrsinn. Die beiden Autoren untermauern dies vor allem an dem Beispiel des Influencers „Querly“, der wegen seiner Filme im Netz über spektakuläre Wheelies und illegaler Straßenrennen gegenwärtig von der Polizei verdächtigt werde. Es entspann sich eine polarisierende Diskussion, an der auch ich mich auf meinem Facebook-Account beteiligt habe:

Fakt für die unaufhaltsam „vergreisende“ Motorradszene ist: Wir brauchen neue Ideen und Instrumente, um junge Leute zeitgemäß anzusprechen und in ihrer Lebenswelt abzuholen. Nur so haben wir eine echte Chance, sie für das Thema Motorrad zu begeistern! Kanäle wie Youtube, Instagram, TikTok & Co. sowie Influencer gehören definitiv dazu. Von den im FAS-Artikel geschilderten zwei „schwarzen Schafen“ darauf zu schließen, dass die komplette Szene der Motorrad-Influencer außer Rand und Band sei, halte ich für überzogen. Die junge Generation fährt auf coole Clips und Storys ab, selbst wenn sie oder gerade weil sie übers gesetzlich erlaubte Maß hinausschießen. Die Generation Z tickt so, die Klickzahlen beweisen es. Auch wenn der Oldschool-Biker darüber verständnislos den Kopf schüttelt. 

Tun wir doch nicht so unschuldig: Beim Influencer-Marketing geht es doch wie in der modernen Werbung zuallererst ums Image. Das Bild einer Marke soll sich in den Köpfen verankern, damit irgendwann später mal, wenn die Zeit reif ist, der Kaufwunsch geweckt und realisiert wird.

Zudem glaube ich nicht, dass die in den vergangenen Jahren stark verjüngten Marketingabteilungen der Industrie generell „nassforschen Jungs“ aufgesessen sind. Dort mangelt es sicher nicht an digitalem Fachwissen und ganz bestimmt werden die Werbeausgaben überprüft und überwacht. Die wissen, was sie tun. Aber hoffentlich vergessen die Hersteller darob nicht, die zahlungskräftige und kaufwillige Klientel der Ü50-Biker auch in den seriösen gedruckten Medien mit ihren faktenorientierten Oldschool-Informationen und Werbekampagnen zu beglücken. 

Meine letzte These: Der momentan sich formierende Gegenwind für die Zweiradszene – Lärmdebatte, Streckensperrungen und Wochenendfahrverbote – kommt nicht von der Jugend, sondern geht hauptsächlich auf das Konto der älteren Generation. Sie fühlt sich in den Biker-Hotspots und landschaftlich exponierten Freizeitoasen von massenhaft einfallenden Easy Ridern mit ihren mitunter allzu lauten Vehikeln genervt, ja bedroht. Das befeuert eher unseren Untergang als die Millionen von Kids, die Videos von „Querly“ & Co. gelikt haben. Der deutsche Durchschnittssenior tummelt sich nicht auf Youtube und sammelt dort Argumente für seinen Motorradprotest. Den bekommt er gänzlich analog am Wochenende geliefert – direkt frei Haus.

Schickt mir gerne Eure Meinung, mit welchen Ideen und Instrumenten wir in Zukunft mehr junge Leute fürs Motorrad begeistern können und wie wir es schaffen, dem aufbrausenden  Motorradprotest den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wie immer Mail an maderner@syburger.de.

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bike & business 5/2021

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