Naturwissenschaft contra E-Fuels

Mein Speedlog vom 13. Juni „Verbrannte Erde durch Verbrenner-Aus“ mit dem Ruf nach Technologieoffenheit und einem Überdenken der Entscheidung des EU-Parlaments hat ein differenziertes Echo ausgelöst. Inzwischen ist Bundesfinanzminister Christian Lindner auf den Plan getreten: Er lehnt das Verbot des Verbrennungsmotors ab. „Viele Kunden wollen Technologieoffenheit, und die Industrie braucht sie“, sagte er. Insofern unterstützt der Vize-Kanzler meine Thesen.

Gleichwohl sind nicht alle dieser Meinung. So schrieb mir »bike & business«-Newsletter-Leser Peter folgende Zeilen:

„Das Problem ist halt der extrem miese Wirkungsgrad von E-Fuels.  Wikipedia schreibt dazu (und alle anderen verfügbaren seriösen Quellen operieren mit ganz ähnlichen Zahlen, selbst der ADAC): „Inklusive Gewinnung von Kohlenstoffdioxid aus der Luft gehen bei der Herstellung von E-Fuels ca. 60 Prozent der ursprünglich im Strom vorhandenen Energie verloren. Wird das E-Fuel anschließend in einem Verbrennungsmotor verbrannt, gehen wiederum ca. 70 Prozent der im E-Fuel gespeicherten Energie verloren. Bei Einsatz von E-Fuels in einem Auto mit Verbrennungsmotor werden also nur rund 10 Prozent der ursprünglich im Strom vorhandenen Energie für den Antrieb des Fahrzeuges genutzt. Damit benötigen mit E-Fuels betankte Autos pro Kilometer rund fünfmal soviel Energie wie ein batterieelektrisches E-Auto."

Selbst wenn sich der Wirkungsgrad durch Prozessoptimierung noch verbessern lässt, ist und bleibt die Effizienz gegenüber batterieelektrischem Antrieb grottenschlecht. Und da regenerativ gewonnene Energie ein äußerst knappes Gut ist (und auf unabsehbare Zeit bleiben wird), können wir es uns, im Sinne der angestrebten Klimaneutralität, nicht leisten, sie in einer dermaßen ineffizienten Anwendung zu verschwenden.

Traurig, aber wahr. Als gelernter Mechaniker und Fahrer/Restaurator mehrerer klassischer Motorräder hänge ich auch an der alten Technik. Leider ist die Naturwissenschaft dagegen, ihr Leben mittels E-Fuels verlängern zu wollen.“

Auch Speedlog-Leser Florian glaubt, dass ich mit meinem Argument, dass das EU-Parlament sich gegen Technologieoffenheit stemmt, daneben liege:

„Hallo Stephan, deine Kritik läuft leider etwas in die Leere, wie das Lesen des Originaldokuments zeigt. Zitat (S. 17): "Zu  den emissionsfreien  Fahrzeugen  zählen  derzeit Elektrofahrzeuge,  Fahrzeuge  mit Brennstoffzellenantrieb  oder  mit Wasserstoff  betriebene  Fahrzeuge; technologische Innovationen schreiten weiter voran." Die von dir geforderte Technologieoffenheit steht in dem Papier expressis verbis drin.“

Lieber Peter, lieber Florian - vielen Dank für eure Reaktionen. Ich werde eure Argumente bei zukünftigen Diskussionen gerne mit ins Kalkül ziehen und meine Kritik differenzierter kommunizieren. Ich werde das wichtige Thema weiterhin auf dem Radarschirm haben.

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bike & business 6/2022

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