Update: Nur die Erhöhung der EU-Strafzölle ist vom Tisch

Fotocollage, Fotos: Harley-Davidson, Pixabay

Harley-Davidson

Nur die Erhöhung der EU-Strafzölle ist vom Tisch

Entgegen anders lautender Meldungen schwelt der Handelsstreit zwischen der EU und den USA in Sachen Importzölle für Waren made in USA weiter.

 „bike & business“ zitierte gestern in einem Artikel Agentur- und Medienberichte, wonach „EU-Strafzölle für US-Motorräder vorerst gebannt“ seien. Grundlage dafür waren Aussagen des Exekutiv-Vizepräsidenten der EU, Valdis Dombrovskis, den Konflikt im Handelsstreit zur Beseitigung globaler Überkapazitäten bei Stahl und Aluminium konstruktiv beilegen zu wollen. Das betraf aber nur die weitere Erhöhung der Zölle von derzeit 31 auf 56 Prozent. Diese Verschärfung sollte offiziell am 1. Juni in Kraft treten. EU-Diplomaten bereiten damit wohl das diplomatische Parkett für den Besuch des neuen US-Präsidenten Joe Biden auf dem G7-Gipfel vom 11. bis 13. Juni in Cornwall. Im Vorfeld dieses Gipfeltreffens der sieben wichtigsten Wirtschaftsnationen wollte man offenbar mit dem vorübergehenden Verzicht weiterer Strafzölle nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen.

Als Reaktion auf die Ankündigung des Exekutiv-Vizepräsidenten der EU bekräftigte Harley-Davidson umgehend sein Engagement, seine Position in Europa verteidigen zu wollen. Auf seiner Investorenseite kündigt der US-Motorradhersteller an, seine rechtliche Anfechtung des Widerrufs der verbindlichen Herkunftsangaben (Binding Origin Information, kurz: BOI) und seinen Antrag auf erweiterte Vertrauensstellung weiter zu verfolgen. Diese mit Wirkung zum 19. April 2021 von der EU aberkannte Sondergenehmigung im Zollrecht ermöglichte es Harley, Motorradmodelle, die nicht in den USA hergestellt werden, sondern etwa im thailändischen Harley-Werk, ohne Strafzoll zum niedrigen Satz von sechs Prozent in die EU einzuführen. Das bedeutet für die Zollbeamten derzeit: Selbst Harley-Motorräder, die in Thailand produziert werden, werden als „Made in USA“ eingestuft.

Indes hält sich US-Wettbewerber Indian in diesem Handelsstreit zurück. In seinem polnischen Werk Opole lässt die Konzernmutter Polaris ATVs produzieren. Inwieweit die in Europa beliebte Scout-Baureihe im EU-Land Polen gefertigt wird, und deshalb nicht von den Zollkalamitäten betroffen sein könnte, ist offiziell nicht bekannt. Die »Chiefs« mit ihren 1,8-Liter-V2-Motoren laufen allesamt in den USA vom Band.

Zurück zu Harley-Davidson: Die US-Kultmarke setzt sich weiterhin für einen freien und fairen Handel ein und konzentriert sich darauf, im Interesse aller seiner Aktionäre global wettbewerbsfähig zu bleiben und sicherzustellen, dass seine Kunden auf der ganzen Welt Zugang zu seinen Produkten haben. Jochen Zeitz, Vorsitzender, Präsident und CEO von Harley-Davidson: „Wir sind ermutigt durch die Ankündigung vom 17. Mai, dass die Zölle, die unsere Produkte betreffen, nicht von 31 auf 56 Prozent ansteigen werden. Dies ist der erste Schritt in die richtige Richtung in einem Streit, der nicht von uns verursacht wurde. Harley-Davidson-Mitarbeiter, Händler, Interessengruppen und Motorräder haben in diesem Handelskrieg nichts zu suchen. Diese Zölle verschaffen anderen Motorradherstellern einen unfairen Wettbewerbsvorteil in der EU. Europäische Motorräder zahlen nur bis zu 2,4 Prozent, um in die USA importiert zu werden. Wir wollen freien und fairen Handel. United we ride."

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bike & business 4/2021

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