Schulzeugnisse für Motorradhersteller

Unlängst philosophierte ich im Speedlog vom 17. Juli über die Frage „Was uns die Unzufriedenheit der Autohändler mit ihren Herstellern lehrt“. Erfreulicherweise meldeten sich spontan drei verschiedene Motorradhändler, die mir von ihren aktuellen Erfahrungen mit ihren Herstellern berichteten und Zeugnisse ausstellten.

Hinweis an dieser Stelle: Die Noten für die Hersteller sind subjektiv und nicht repräsentativ, gleichwohl liefern sie ein Schlaglicht auf das jeweilige Verhältnis zwischen Händler und Hersteller und zeigen Verbesserungspotenzial auf.

So schrieb mir ein Mehrmarkenhändler, der u.a. auch Honda im Programm hat: „Honda gebe ich in meinem Markenmix die besten Noten. Qualität und Produktsortiment passen aktuell sehr gut. Lieferfähigkeit auf gutem Level mit wenigen Ausnahmen. Die Teileversorgung und der technische Support sowie die Bezahlung der Garantiearbeiten stimmen auch. Einziges Problem für uns sind Hondas sehr hohe Zielvorgaben für 2023! Dies wurde im zweiten Quartal schon mal nach unten angepasst. Honda bekommt von uns die Note 2.“
 
Sein Kollege, Vertragshändler für Ducati, meint: „Mit Ducati sind wir derzeit ganz flott unterwegs, auch wenn die Marke ziemlich fordernd für uns Händler ist. Allerdings bekommt Ducati einige seiner Hausaufgaben nicht erledigt. Unter anderem die Prämienzahlungen dauern ewig. Für uns ist das bis zur Zahlung der Prämie ein richtiges Minus-Geschäft, Stichwort: Mitarbeitergeschäfte. Qualität und Produktsortiment sowie die Lieferfähigkeit sind bei Ducati auf einem guten Level - mit ein paar wenigen Ausnahmen.
Mit der Teileversorgung, dem technischen Support sowie der Bezahlung der Garantiearbeiten sind wir zufrieden. Die Zielvorgaben von Ducati sind sehr sportlich, aber noch ok. 
Dafür gestaltet sich die Organisation intern in diversen Bereichen sehr umständlich und zeitlich sehr aufwendig für uns. Wir stellen Ducati nach Maßgabe eines Schulzeugnisses die Note 2,5 aus“
 
Last but not least äußerst sich ein Piaggio-/Vespa-Händler, wie er derzeit den italienischen Importeur bewertet: „Bei uns ist es eine Katastrophe. Zuallererst haben die Italiener den Rabatt von 17 + 2 Skonto innerhalb von zwei Jahren auf 12 Prozent gekürzt! Schon dieser Schritt ist eine Frechheit dem Handel gegenüber und eigentlich ein Grund, die Arbeit einzustellen. Dazu kommt, dass der technische Support eine Katastrophe ist und die Garantievergütung in unserem Fall eine Frechheit. Seit drei Jahren fragen wir halbjährlich nach einer Erhöhung des Garantiestundensatzes. Bisher ohne Erfolg. Die ersten zwei Jahre war dieses Versprechen wohl eingefroren. Im Oktober vergangenen Jahres sicherte uns unser Außendienst zu, dass sich was tut in dem Bereich. Bis heute nur Blablabla. Und das Garantieaufkommen ist bei der Marke nicht unerheblich. 
Wenn ich wir nicht so an der Marke Vespa hängen würden, hätten wir die bereits rausgeschmissen, sowas braucht kein Mensch. Piaggio und Aprilia bis 125 Kubik haben wir ziemlich runtergefahren. Vespa lassen wir vorerst mal noch laufen und schauen, was am Ende des Jahres übrigbleibt. Unsere Note:  mangelhaft.“

Soweit die Schulzeugnisse für drei Marken, sie hätten nicht unterschiedlicher ausfallen können. Ich will hier keine Generalschelte betreiben, doch die Hinweise wo der Schuh gerade drückt sind wichtig. Händler und Hersteller sollten offen aufeinander zugehen und Verbesserungspotenzial ausloten, am besten im gemeinsamen Dialog. Und wie sieht es im Verhältnis zwischen Händler und Hersteller in anderen Markenwelten aus? Ich freue mich wie immer auf Ihre Antworten. Sie wissen, wie es geht: Einfach eine Mail an maderner@syburger.de schicken. Vielleicht lesen Sie dann ihre Einwürfe und Anregungen im nächsten Speedlog.

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