Shocking

Eine Schockwelle geht durch die europäische Motorradszene. Einer der bedeutendsten Fahrzeuggroßhändler Europas, die österreichische KSR Group, steckt so in massiven finanziellen Schwierigkeiten, dass der Gang in die Insolvenz unvermeidbar war. In der vergangenen Woche haben die beiden Eigentümer Christian und Michael Kirschenhofer beim Landesgericht Krems ein gerichtliches Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eingeleitet. Den aktuellen Stand der KSR Group-Insolvenz, die bisher bekannten Hintergründe und wie es jetzt weitergeht, habe ich für »bike & business« recherchiert.

Wie konnte der österreichische Großhändler, der zuletzt über 60.000 Fahrzeuge jährlich auf dem Alten Kontinent verkaufte, so in Schieflage geraten? Aufgeführt werden unter anderem die durch den Ukraine-Krieg gestiegenen Energiepreise, die hohe Inflation und damit einhergehend der Kaufkraftverlust seitens der Kunden. Hinzu kommen hohe Materialkosten, Wechselkursschwankungen und rückgängige Umsätze aufgrund einer stärker als erwarteten Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Wie schon seit geraumer Zeit zu beobachten war, füllten sich die Lager der KSR-Partnerhändler bedenklich an. Gleichzeitig hat das Unternehmen in Deutschland Marktanteile verloren, weil neue Motorräder nicht oder nur bedingt verfügbar waren. Wie immer in solchen Fällen führen nicht nur externe Faktoren zum Niedergang - welches Management ist schon komplett vor Fehlern gefeit?

Der jähe Absturz zeigt, wie schnell es gehen kann, dass sich die Parameter verändern und das Geschäft plötzlich von Plus ins Minus dreht. Denn zweifelsohne gehörte die KSR Group wie die gesamte Motorrad- und ATV/Quad-Szene in DACH und Europa zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Von 2020 bis 2022 brummte das Business. Die Umsatzpfeile auf den Analysecharts schienen nur eine Richtung zu kennen, steil nach oben.

Zeigt der Fall KSR nun exemplarisch, dass weitere Player in Liquiditätsnöte geraten könnten – drohen nach den fetten Jahren nun magere Zeiten? Noch wachsen die Neuzulassungszahlen. In Österreich legte der Markt im ersten Halbjahr um sieben Prozent zu, der deutsche Markt registrierte in den ersten sieben Monaten dieses Jahres über alle Fahrzeugklassen hinweg einen Zuwachs von 10,1 Prozent. Leidglich die Schweiz meldet von Januar bis August 2023 bereits rund drei Prozent weniger Fahrzeugneuzulassungen. Doch mehren sich die Aussagen vieler Händler, dass sich hohe Lagerbestände aufbauen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass zu viele (unverkaufte) Bikes im Umlauf sind. Definitiv gebundenes Kapital für die Unternehmen und Gift für die Renditen der Dealer. Also Ruhe vor dem nächsten Orkan? Oder nur ein Sturm im Wasserglas? Was meinen Sie? Mit welchem Zukunftsszenario rechnen Sie? Schicken Sie mir gerne Ihre persönlichen Prognosen. Mail an maderner@syburger.de.

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bike & business 3/2024

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