Hochwasser - Wie die Zweiradbranche in der Not hilft

Yamaha-Deutschland-Chef Marcel Driessen rettete in einer Garage in Satzvey bei Mechernich eine völlig verschlammte XJR und restauriert sie in Neuss, Foto: Marcel Driessen/Yamaha Motor Deutschland

Hochwasser

Wie die Zweiradbranche in der Not hilft

Die Flutkatastrophe in der Eifel und im Bergischen Land hat eine beispiellose Welle der Solidarität auch in der Motorradszene ausgelöst.

»bike & business«-Leser Stefan Zipperer, Kymco-Vertragshändler und Inhaber einer Fachwerkstatt in Alfter bei Bonn, ist von Anfang als aktiver Helfer dabei in der überfluteten Eifel. Er fährt derzeit täglich mit Schaufeln, Wasserkanistern, Schläuchen und Eimern bewaffnet und konkreten Plänen im Kopf in die Notstandsregionen und packt mit eigener Muskelkraft an. Auf seinem Facebook-Account berichtet er lebhaft von seinem Tun: „So, gerade wieder zwei Aggregate vom Schlamm gereinigt, zerlegt, zusammengebaut und wieder zum Laufen gebracht. Öl, Benzin, Kerzen neu. Fahren gleich an die Ahr nach Marienthal, zusammen mit 50 Metern Schlauch von Franziska H., um eine mobile Wasserversorgung aufzubauen, den Rest erledigt Philipp D. dann mit seiner Tauchpumpe.“ Stefan Zipperer motiviert über seine sozialen Netzwerkkanäle aber auch andere, es ihm gleichzutun und bietet sogar Mitfahrplätze in seinem Auto an. Hut ab vor solcher zupackenden und gelebten Solidarität!

Rat und Tat gibt es auch von offizieller Seite: Der Bundesinnungsverband Zweirad-Mechaniker-Handwerk (BIV) mit Sitz in Hilden setzt über seine Betriebswirtschaftliche Beratungsstelle alle Hebel in Bewegung, um betroffene Betriebe mit wichtigen Informationen zu versorgen, wie »bike & business« bereits berichtete.

In einem neuerlichen Rundschreiben an seine Mitglieder weist der Zweiradverband vom Hochwasser geschädigte Betriebe jetzt darauf hin, dass die NRW.BANK die beiden Programme »NRW.BANK.Universalkredit« und »NRW.BANK.Gebäudesanierung« ab sofort und befristet bis zum 31. Dezember 2021 besonders attraktiv gestaltet. Damit könnten Unternehmen zum Beispiel Ersatzinvestitionen für durch Unwetter beschädigte Maschinen oder Kosten für Aufräumarbeiten finanzieren. Mit dem Universalkredit lassen sich Maßnahmen bis zu einem Höchstbetrag bis zu zwei Millionen Euro und Laufzeiten bis zu zehn Jahren zu einem Zinssatz ab 0,01 Prozent jährlich finanzieren.

Die Antragstellung auf Förderung erfolgt über die Hausbank. Zur Nutzung der Programmerleichterungen müssten Fördernehmer ihrer Hausbank formlos nachweisen, dass es sich um unwetterbedingte Schäden handelt. Der Bankberater der Hausbank stellt gemeinsam mit dem Antragsteller dann alle Unterlagen zusammen und übermittelt sie anschließend an die NRW.BANK. Wie es in dem BIV-Schreiben weiter heißt, soll der Antrag schnellstmöglich, zumeist noch am selben Tag, geprüft und der Hausbank das Ergebnis mitgeteilt werden.

Unterstützung ist auch seitens der Auto- und Motorradhersteller auf dem Weg in die von der Flut zerstörten Gebiete. Die BMW Group teilt mit, 1,5 Millionen Euro für Rettungsorganisationen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Oberbayern zu spenden. Außerdem stellen die BMW-Werkfeuerwehren in München, Dingolfing, Regensburg und Leipzig Einsatzmittel und Feuerwehrleute zur Verfügung.

Marcel Driessen von Yamaha Motor Deutschland etwa organisierte Notstromaggregate und zwei ATVs für die Aufräumarbeiten. Die Hilfsgüter übergab der deutsche Country Manager beim Vertragspartner Zweirad Schmitz in Adenau.

Auch branchenspezifische Banken legen sich ins Zeug: So teilt beispielsweise die Bank11 mit: „Im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten möchten wir jetzt insbesondere unsere Handelspartner in den betroffenen Gebieten unterstützen.“ Man sehe sich in der Pflicht, jetzt Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Handelspartner ein Stück weit zu entlasten - auch wenn dies vermutlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei. In erster Linie beträfen die Hilfsmaßnahmen Erleichterungen in der Einkaufs- und Absatzfinanzierung. Im Bereich der Einkaufsfinanzierung könnten etwa die Abschlagszahlungen ausgesetzt werden. Alle betroffenen Händler sollen sich bei ihrem zuständigen Gebietsleiter melden und individuelle Maßnahmen beantragen. „Wo wir jetzt helfen können, helfen wir. Mit entsprechenden Maßnahmen in der Einkaufsfinanzierung können wir zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen, Existenzen unserer Handelspartner in den betroffenen Regionen zu erhalten“, sagt Thomas Abs, Bereichsleiter Einkaufsfinanzierung.

Wir bleiben dran an der Hilfsfront und aktualisieren und ergänzen diesen Artikel ständig, wenn uns neue wichtige Informationen zu Hilfsangeboten und -aktionen zugetragen werden.
 

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bike & business 5/2021

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