Speelog

Disruption

Die Wintermonate stellen viele Motorradhändler und -werkstätten immer vor große Herausforderungen. Für den Unternehmer gilt es, die wegen fehlender Umsätze dahinschmelzende finanzielle Liquidität aufrechtzuerhalten und bis zum Saisonstart durchzuhalten. Viele Inhaber nutzen die stille Zeit für strategische Weichenstellungen, organisieren um oder befreien sich von Altlasten. Wenn sich dann im März und April die Kassen wieder füllen, darf der Startknopf für ein neues Wirtschaftsjahr gedrückt werden.

In diesem Winter kommen allerdings noch zwei große Unbekannte hinzu: die Corona-Pandemie und die mit dem Virus einhergehende Disruption unseres Wirtschaftssystems von der auch die Zweiradbranche erfasst wurde.
„Disruptive Technologien (engl. disrupt – unterbrechen, zerreißen) sind Innovationen, die bestehende Technologien, bestehende Produkte oder bestehende Dienstleistungen vollständig verdrängen“, weiß Wikipedia. Dabei geht es beileibe nicht nur um Technologie sondern auch um Verfahren, Denkweisen, Prozesse, Systeme, ja ganze Kulturen.
Zwei aktuelle Beispiele für diese Disruption in unserer Branche: BMW will künftig der EICMA und der Intermot fernbleiben und setzt verstärkt auf neue Live- und Digitalformate. In die selbe Kerbe haut Suzuki mit seinem „Motorcycle Global Salon“, der am 5. Februar an den Start gehen soll. Die User sollen auf der „Kommunikationsplattform der nächsten Generation“ (O-Ton Suzuki) virtuell ausgestellte Modelle im Netz erkunden, technische Infos einsehen, die Maschinen nach Wunsch konfigurieren und sich mit anderen Besuchern in der Cloud austauschen – so, als ob man eine Motorradmesse oder einen Händler besucht. Auch zukünftige Modellvorstellungen sollen auf dem Computer, Smartphone oder Tablet mitverfolgt werden. Die gerüchteweise kolportierte neue Hayabusa könnte den Anfang machen...
Sieht so die schöne neue Zukunft aus? Mitten in einem disruptiven Prozess sind auch die traditionsreichen Regionalmessen. Das Gros der Veranstalter hat die Events erst einmal auf nächstes Jahr verschoben. Für 2021 sind als einzige noch Dortmund, Berlin und Hamburg im Rennen. Hans-Jürgen Weigt (Motorräder Dortmund) und Eckhard Stürck (BMT, HMT) sind zuversichtlich. Wie tragfähig sind die Konzepte in Zeiten von und nach Corona? Die gute Nachricht: Es gibt schlagkräftige Argumente dafür, dass das Modell „regionale Motorradmesse“ nicht aussterben wird.
Viele unserer Betriebe – ja, ich sage die Mehrheit! – sind durchaus vital und lernfähig. „Gerade deutsche Mittelständler üben seit Jahrzehnten die Kunst der graduellen Evolution: Sie verbessern ihre Produkte, aber auch ihre Prozesse, ständig. So laufen sie den Disrupteuren einfach davon – indem sie den Wandel, dessen Opfer sie werden könnten, selbst gestalten“, sagt Zukunftsforscher Matthias Horx. Dem schließe ich mich vorbehaltlos an.

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bike & business 4/2021

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