Aufstand coronamüder Kunden?

In der Bevölkerung scheint allmählich das Vertrauen ins staatliche Corona-Krisenmanagement zu schwinden – das spürt inzwischen auch die Zweiradbranche im täglichen Kontakt mit ihren Kunden. Die an den Tag gelegte Selbstgefälligkeit der Regierung, das fehlende Eingeständnis Fehler gemacht zu haben – etwa bei der Beschaffung von Impfstoff – und das undifferenzierte „Weiter so“ in Sachen Lockdown schüren momentan den Zorn von immer mehr Bürgern.

Leidtragende sind mittlerweile auch die Inhaber von Werkstätten und Handelsbetrieben in der Zweiradbranche. So berichtete mir unlängst Timm Lösenbeck, Inhaber von Timms Zweiradschmiede in Schalksmühle, dass er sich akribisch bemühe, die Pandemie-Bestimmungen einzuhalten. Weil ihm Beratungen vor Ort am Fahrzeug verboten sind, bietet er seinen Service zum Beispiel nach vorheriger Terminvereinbarung per Skype, Mail oder Telefon an – also Videoberatung direkt am Fahrzeug nebst späterer Kaufabwicklung per E-Mail.

Verkaufte Fahrzeuge darf Timm Lösenbeck weiter übergeben, weil er die Sicherheitsvorschriften beachtet und sie einhält. So darf nur eine Person vor Ort den Raum betreten, es ist der Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten und der Betrieb hält Desinfektionsmittel bereit. Dank der beschriebenen Sicherheitsvorschriften dürfen Fahrzeuge nach wie vor zu Inspektion, Reparatur oder Umbau vorbeigebracht werden. 
Doch diese Einschränkungen scheinen manchem Kunden schon zu viel zu sein. „In letzter Zeit habe ich immer öfter aggressive Kunden am Telefonhörer, die sich über die Hygieneregeln echauffieren“, sagt Timm Lösenbeck. Ein Kunde habe ihm jüngst sogar damit gedroht, ihm im Netz eine negative Bewertung zu hinterlassen, weil er keine Ausnahmen für ihn machen wollte. „Dabei bin ich doch gezwungen, die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten – sonst brummen mir die Ordnungshüter drastische Geldstrafen auf – das will ich nicht riskieren.“ 

Was sich Lösenbeck wünscht: Einfach mehr Respekt voreinander zu haben und Kunden,  die einsehen, dass der Händler nichts für die gegenwärtig schwierigen Corona-Bedingungen kann. Es nerve, wenn Kunden versuchen würden, mit ihrem Verhalten den ohnehin gestörten Geschäftsbetrieb noch weiter zu torpedieren.

Frage an die Runde: Stellt ihr im täglichen Geschäftsbetrieb derzeit ebenfalls fest, dass Euren Kunden der anhaltende (und scheinbar perspektivlose) Corona-Lockdown langsam auf den Zeiger geht? Die Redaktion jedenfalls erhält derzeit entsprechende Hinweise von etlichen Betriebsinhabern. Sie ärgern sich, dass sie für die restriktiven Maßnahmen in Sachen Kundenbetreuung (kontaktloser Verkauf, Hygienevorschriften, Online-Terminvereinbarung etc.) verantwortlich gemacht werden. Und dies,  obwohl sie gar nichts dafür können, weil sie nur die Infektionsschutzregeln des Staates anwenden. Manche berichten gar – siehe Timms Beispiel - von aggressiven Kunden, die etwa im Rahmen eines Gebrauchtfahrzeugkaufs mit negativen Bewertungen im Netz drohen. Oder läuft bei euch alles rund?  Ich freue mich auf Eure Erfahrungen. Mail an maderner@syburger.de.
 

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bike & business 5/2021

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