Dauerbrenner E-Fuels

Die Kollegen vom „TOURENFAHRER“ haben in ihrer Februar-Ausgabe ein heißes Eisen angepackt: Im Report E-Fuels geht Autor Clemens Gleich der Frage nach, ob sich Motorräder der Decarbonisierung des Verkehrswesens entziehen können (Vorsicht, Spoiler: nein!) und ob E-Fuels für die Elektromobilitätsskeptiker die rettende Lösung sein könnten.

Das Thema könnte aktueller nicht sein. Haben doch die Aussagen des neuen Bundesverkehrsministers Volker Wissing (FDP) vergangene Woche mächtig polarisiert. Zunächst sorgten seine Aussagen am Donnerstag im „Tagesspiegel“-Interview für Verwirrung, wonach er den Einsatz von E-Fuels ausschließlich für die produzierende Industrie beziehungsweise den Flug- und Schiffsverkehr vorsah. Autos und Motorräder sollten leer ausgehen. Fast alle Medien in Deutschland bis hin zur Tagesschau berichteten vom erstaunlichen Kurswechsel des FDP-Politikers, dessen Partei im Wahlkampf immer sehr überzeugend für Technologieoffenheit eingetreten war.

Doch bereits ein paar Stunden später in der Bundestagsdebatte zur Politik der Bundesregierung im Bereich Digitales und Verkehr am Donnerstag Abend ruderte Wissing um 180 Grad zurück. Wissing sieht E-Fuels als wichtigen Baustein und lehnt Technologieverbote ab, hieß es plötzlich. O-Ton der Minister: „Wir wollen die Klimaschutzziele im Verkehrsbereich einhalten, die Elektromobilität im Pkw-Bereich ist dafür ein wichtiger Baustein. Gleiches gilt aber auch für strombasierte Kraftstoffe, E-Fuels. Nicht nur im Flugverkehr, auch im Schiffsverkehr, bei den Nutzfahrzeugen und natürlich auch in den Bestandsflotten der Pkw. Jeder Beitrag zur CO2-Reduktion ist wichtig.“ Und weiter: Mobilität müsse sich auch in Zukunft technologieoffen weiterentwickeln. „Wir wissen heute nicht, welche technologischen Chancen uns die Zukunft bietet. Verfügbare Technologien nutzen, darf deshalb nie heißen, ein Verbot neuer Technologien auszusprechen. Mobilität ist vielfältig, deswegen können wir nicht alles auf einen Antrieb umstellen.“

Uff, da haben die Freunde des Verbrennermotors noch mal Glück gehabt: Das Thema E-Fuels ist doch noch nicht tot. Zwar kann dieser Treibstoff derzeit noch gar nicht gekauft werden, obwohl Lobby-Organisationen wie die eFuel Alliance fleißig die Werbetrommel rühren und „E-Fuels for Future“ auf Tankstellenplakaten steht – das beworbene Produkt gibt es schlicht noch nicht. „Bis E-Fuels in relevanten Mengen auf dem Markt sind, vergehen wahrscheinlich etwa zehn Jahre“, sagt „TOURENFAHRER“-Autor Clemens Gleich voraus. Nach seiner Prognose sollte E-Benzin (je nach Besteuerung) um die zwei Euro pro Liter kosten, in der Anlaufzeit vorher könne der Preis durchaus mehr als das Doppelte betragen.

Gleich stellt die These auf, das aus allen bisher diskutierten Gründen E-Fuels zunächst wenig für die Decarbonisierung von Autos taugen. Doch bei Motorrädern schaue es komplett anders aus. Motorräder machten nur zwölf Prozent der CO2-Emissionen des Verkehrssektors aus. Solch eine geringe Treibstoffmenge könne schon recht früh zur Verfügung stehen. Gleichs Rechnung: „Da wir ja hauptsächlich zum Spaß Motorrad fahren, würden wir die zu erwartenden hohen Einführungspreise viel bereitwilliger bezahlen als Autofahrer, die wirtschaftlich zur Arbeit pendeln.“

Ob die Motorradindustrie überhaupt die Chance erhalte, über E-Fuels zu decarbonisieren, hänge vom politischen Willen ab. Der habe vor der Bundestagswahl eher schlecht ausgesehen, der Einfluss der Zweiradlobby schien zu gering.

Der aktuelle Koalitionsvertrag macht Clemens Gleich jedoch Hoffnung: „Die Grünen haben den Sektor Verkehr als Kompromiss den anderen Koalitionspartnern überlassen, die E-Fuel-betriebene Fahrzeuge dort explizit von den geplanten Zulassungsverboten für Verbrennungskraftantriebe ausnehmen – sofern sie ausschließlich E-Fuels tanken. Für diese Anforderung würden eine Verkleinerung der Tankstutzen neuer Motorräder und E-Fuels-Zapfpistolen oder eine vergleichbare technische Banalität genügen.

„Die Zukunft fürs Motorradfahren sieht also aktuell besser aus, als es Skeptiker und Kritiker der neuen Regierung befürchteten“, so der „TOURENFAHRER“-Fachautor. Nur Wissings Kapriolen ließ diese Hoffnung für ein paar Stunden sterben...

Wie ist Ihre Meinung als Motorradfahrer zum Thema E-Fuels und Elektromobilität? Stehen Sie schon unter Strom oder freuen Sie sich schon, dereinst E-Fuels zu tanken? Freue mich wie immer auf Ihre Antworten. Mail an maderner@syburger.de.
 

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bike & business 3/2022

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